Rechtskulturen: Konfrontationen jenseits des Vergleichs

Rechtskulturen reagiert auf die durch wachsende Internationalisierungen hervorgerufene Notwendigkeit, Recht in seinem je partikularen kulturellen Kontext zu verstehen. Ein zentrales Interesse ist dabei die systematische Konfrontation unterschiedlicher Verständnisse von Recht, seinen Funktionsweisen und spezifischen Kulturtechniken. Aus einer genuin juristischen Perspektive, die die Rechtswissenschaft als Professionsfakultät ernst nimmt, eröffnet das Programm das transregionale und interdisziplinäre Gespräch über Recht. Dabei soll die Irritation durch das je Andere nicht durch die Unterstellung eines gemeinsamen tertium comparationis gezähmt und vorschnell durch eine verengte, rein rechtswissenschaftliche Anwendungsperspektive funktionalisiert werden.

Rechtskulturen integriert als Netzwerk interdisziplinärer Rechtsforschung systematische und regionalwissenschaftliche Herangehensweisen. Im Zentrum steht die Frage nach den Grundlagen und Kontexten des Rechts in einer Welt, in der das kompetitive, aber auch komplementäre Neben- und Miteinander verschiedener Rechtssysteme und normativer Ordnungen Teil des sozialen Alltags ist. Durch die Einladung von jährlich sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen Teilen der Welt und die Entwicklung neuer Gesprächs- und Arbeitsformate werden differenzierte Vergleiche und produktive Konfrontationen ermöglicht und gefördert.

Rechtskulturen ist ein Projekt des Berliner Forschungsverbundes Recht im Kontext (Wissenschaftskolleg zu Berlin) am Forum Transregionale Studien und wird von der VolkswagenStiftung gefördert. Bis Ende 2013 wurde das Programm aus Mitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin finanziert. Das Programm ist an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin assoziiert und wird von Susanne Baer, Christoph Möllers und Alexandra Kemmerer geleitet.